Helge Kirchberger

Zwei Filmdosen und ein Tiefkühlfach – die reichten dem angehenden Fotokaufmann Helge Kirchberger, um alles Wichtige für seinen Beruf zu lernen. Erstens die Filmdosen – in die rein kamen, was Kirchberger auf seinen Wochenendexkursionen damals unbedingt fotografieren wollte: Bienen, Käfer und Spinnen. Ein Problem gab es allerdings: Helge Kirchberger hatte es nicht so mit krabbelnden und fliegenden Kleingetier. Und deswegen nun das Kühlfach. Weiß doch ein jeder, dass Insekten aller Art ihren Bewegungsdrang auf ein Minimum reduzieren und sich ganz besonders fotogen präsentieren, wenn sie erst einmal schockgefrostet sind…

Typisch Helge Kirchberger, der schon früh für sich den Notausgang   als legitimes Hauptportal  entdeckte.
Eigentlich wollte er ja  – ganz familienbelastet – Arzt werden, wenn möglich Chirurg. Dass dazu Abitur und Hochschulstudium vonnöten ist, hatte Schüler Kirchberger allerdings geflissentlich übersehen. Man kann seine damalige Schulzeit auch gerne als neunjähriges Sub-Optimum umschreiben.

Einziger Lichtblick im letzten, dem polytechnischen Lehrjahr: Das schuleigene Fotolabor. Fotografieren, Filme entwickeln, Bilder schwarz-weiß, das bereitete einen riesigen Spaß, aufkommender Berufswunsch inklusive: Fotokaufmann.

Was letztendlich ein neuer Schuss in den Ofen war. Die Woche über lernte Helge Kirchberger nun den Verkäufer und nur das Wochenende ließ ihm Zeit für das, worum es letztendlich wirklich ging: Sonnenaufgänge, Naturerlebnisse, Abendstimmungen – alles durch das Auge des Fotografen fokussiert. Und dann gab es noch den hochinteressanten Bereich der „Makro-Fotografie“, was Hunderte von Insekten – siehe oben – als einen sehr hochtrabenden Begriff für „Filmdosen im Tiefkühlfach“ empfanden…

Kirchberger war schnell klar, dass die Ausbildung  zum Fotokaufmann sich als Sackgase erweisen würde, aus eigener Tasche zahlte er nun eine Ausbildung  auf der Grazer Berufsschule für Fotografie.
Nun kam Bewegung ins Ganze: Einstieg in die Berufswelt als Fotograf, Gesellenbrief, Meisterprüfung, Gewerbeschein. Und 1990 der erste eigene Fotofachgeschäft – Beratung, Handel, Fotografie.
„Tagsüber habe ich dann verkauft, abends und am Wochenende habe ich fotografiert. Ein Generator, drei Lampen – wir waren ein Mini-Studio. Und ich habe alles fotografiert, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Passfotos, Kinder, Firmungen, Hochzeiten, Jubiläen, Begräbnisse – einfach alles.“

Hochzeit mit Langzeit-Freundin Sylvia, dann Stammhalter Patrick, dann Nesthäkchen Verena – alles innerhalb überschaubarer zweieinhalb Jahre – brachten eine gewisse Ernsthaftigkeit ins Tagesgeschäft…

Kirchbergers Genugtuung: „Es waren gerade Familienfeiern wie beispielsweise Hochzeiten,  die mir den Kontakt zu großen Industrie-Kunden brachte. Hätte ich früher  bei deren Werbeabteilungen vorgesprochen, ich wäre noch nicht mal bis zur Sekretärin vorgelassen worden.“

Aus dem kleinen Laden-Geschäft wurde ein gemietetes  160 Quadratmeter-Studio. Daraus ein gekauftes 650 Quadratmeter-Loft mit heute sieben Mitarbeiter und   mit all den räumlichen und technischen Möglichkeiten, die seine anspruchsvolle Klientel heute erwartet. Ob Audi oder BMW, ob Atomic oder Red Bull,  ob Austrian Airlines oder Swarovski – Kirchberges Kundenlist ist so prominent wie die Kunden zufrieden.

Und selbst  internationale Reputation erwarb sich Helge Kirchberger Photography mit der digitalen Reproduktion von Mozarts sieben „großen“ Opern. Das vom Packard Humanities Institute in Los Altos, Kalifornien, finanzierte Projekt führte Kirchberger und seinen Mitarbeiter Gerald Rihar für Monate nach Berlin, Krakau und Paris, wo er insgesamt  4000 Seiten der Mozart-Handschriften  digitalisierte. Helge Kirchberger: „Ein Projekt mit diesem Aufwand hat es in dieser Größenordnung noch nicht gegeben.“

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